Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran, 09.12.2009

Sophie Reinlassoeder Sophie Reinlassoeder, 21, Studentin

Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran

Glaubst du an Gott? Wann warst du das letzte Mal in der Kirche? Und wo wohnt Gott eigentlich? Diese Fragen werden zu Beginn des Stückes an die Wand geworfen und hinterlassen erst einmal Fragezeichen. Doch dann kommt Endre Holéczy auf die Bühne und nimmt uns mit in die kleine Welt von Moses in Paris, die aus dem depressiven Vater, dem Besuch bei den Prostituierten und dem Einkauf bei Monsieur Ibrahim im Laden auf der anderen Straßenseite besteht. Wer die Geschichte von Eric-Emmanuel Schmitt kennt, wird wissen, dass sich nun alles um den Sinn des Lebens und das Glück drehen wird. Aber die Inszenierung ist so erfrischend, dass man die Vergleiche zum Buch schnell vergisst. Der alte, glückliche Kolonialwarenhändler Ibrahim, den alle nur Araber nennen, obwohl er keiner ist, aber wir erfahren von ihm: Araber sein, heißt in unserer Branche von acht Uhr bis 24 Uhr durchgehend geöffnet zu haben, auch am Sonntag!

Diese Rolle spielt Endre Holéczy mit viel Talent für die Details, sei es, wie er wartend hinter seiner Ladentheke sitzt, oder wie er sich langsam herunter beugt um etwas aufzuheben und man dabei den Körper des alten Mannes vor Augen hat. Stets strahlt er eine gewisse Ruhe und Ausgeglichenheit aus. Ihm gegenüber steht der Junge Moses, der wütend und traurig über seinen Vater ist und der sein Glück bei den Prostituierten sucht, die bei seinem Alter noch mal ein Auge zukneifen.

Durch den schnellen Wechsel der Rollen und dabei auch den sprachlichen Aspekt berücksichtigend, werden die Rollen mit Leben gefüllt und die Welt der Rue Bleu erscheint auf der Bühne.

Mit viel Witz und Ironie ist dieses Stück inszeniert, begleitet von passender Musik. So wird der Ausflug in die Normandie zum Tanz mit Taucherbrille und die Stunden bei den Prostituierten werden durch ein Hüfteschwingen zur Musik symbolisiert. Nie wirkt dies lächerlich, sondern immer sehr passend. Der Schalk der Monsieur Ibrahim im Nacken sitzt zeigt sich und der Wechsel zwischen Musik, Tanz und Spiel hat etwas sehr Erfrischendes an sich. Auch die eher dramatischen Szenen, zum Beispiel als Moses auf seine Mutter trifft, werden mit einem Augenzwinkern gezeigt und das Bemerkenswerte daran ist, dass der Schmerz des Jungen dabei in keinster Weise verleugnet wird.

Zum Schluss wird der Koran, der die beiden Protagonisten auf so unterschiedliche Weise begleitet, gezeigt. Und wir sehen: leere Seiten. Hier wird deutlich, was uns dieses Stück mitgeben möchte: denn Ibrahim, der sein Lebensglück gefunden hat, brauchte dazu keinen Text oder Theorien, nein: die Lebenserfahrung machten ihn weise und glücklich.

Abschließend lässt sich sagen, dass ich am Ende der Reise, auf die mich dieses Stück mitnahm, im Publikum saß und nicht aufhören konnte zu lächeln. Genau das hat das Stück geschafft und dies bedeutet für mich eine große Verbeugung vor dem Schauspieler Endre Holéczy.

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